„Blasmusikpop“ von Vea Kaiser

Das aufregenste Debüt einer jungen Autorin, das ich seit langem gelesen habe: „Blasmusikpop“ von der 24-jährigen Vea Kaiser. Meine Faszination für diesen Heimatroman ist zugegebenermaßen untrennbar mit dem jungen Alter der Autorin verknüpft. Während ihre gleichaltrigen Schreibkolleginnen in der selbstreflexiven Coming-of-Age-Schleife festhängen (ist ja auch am bequemsten, aus der eigenen Gefühls- und Identitätswelt zu schöpfen und damit Geld zu verdienen), legt die Österreicherin souverän ein 480-Seiten umspannendes Gesellschaftsportrait hin, das sprachlich und inhaltlich so ausgefeilt und gut recherchiert ist, das man es kaum glauben mag. Vea Kaiser reicht jetzt schon locker an die Klasse einer Alissa Walser (“Am Anfang war die Nacht Musik”) oder Judith Zander (“Dinge, die wir heute sagten”) heran.

Die Geschichte spielt größtenteils in dem fiktiven abgelegenen Bergdorf St. Peter in den Alpen zwischen 1959 bis heute. Alles beginnt mit einem 14,8 Meter langen Bandwurm, der sich im Bauch des 20-jährige Berufsschnitzer Johannes Gerlitzen breit gemacht hat. Johannes wird durch den Bandwurm für Welt und Wissenschaft begeistert. Er geht als erster St. Peterner in die große Stadt und kehrt (nicht ganz ohne Schummelei) als gemachter Arzt und Parasitenforscher zurück – nur leider will sein Töchterchen Ilse jetzt nichts mehr von ihm wissen. Aus Trotz heiratet sie den Dorfroadie Alois, der weder einem gepflegtem Bier, noch einer Prügelei aus dem Weg geht. Als Ilse den kleinen Johannes Junior zur Welt bringt, scheint sich der Kreis zu schließen: Denn Johannes Junior ist der intelligenteste Junge, den die Bergbauern von St. Peter je gesehen haben!

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Ein Kommentar zu “„Blasmusikpop“ von Vea Kaiser

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