„Das große Leuchten“ von Andreas Stichmann

Vier Jahre ist es her, dass der heute 28-jährige Andreas Stichmann für seinen Erzählband „Jackie in Silber“ abgefeiert wurde. Danach ist er erstmal von der Bildfläche verschwunden und wie man jetzt im Buchumschlag seines ersten Romans „Das große Leuchten“ erfährt: Er ist gereist. Zum Couchsurfing in den Iran. Dorthin zieht es auch seinen Romanhelden Rupert. Zusammen mit seinem schizophrenen Adoptivbruder Robert fliegt er Last Minute nach Teheran. Robert mit einem Stapel Bücher über persische Mystik. Rupret „mit Anas Kapuzenpulli im Schoß, der immer noch ein bisschen nach ihr riecht.“ Ana ist Ruperts große Liebe. Mit ihr hat er Tankstellen überfallen, hat im Wohnwagen und in verlassenen Häusern gelebt, Opium geraucht und sich im Regen geliebt. Dann war Ana plötzlich weg und Robert vermutet, dass sie ihre persische Mutter im Iran sucht, die angeblich politisch verfolgt wird und im Untergrund lebt. Aber stimmt das? Ist Ana wirklich hier?

„Das große Leuchten“ (nominiert für den Bachmannpreis 2012) ist ein abgefahrener Orienttrip, in dem sich Realität und Traum, Bewusstes und Unbewusstes, Gegenwart und Erinnerung vermischen. Wie in einem Märchenabenteuer müssen die Brüder Rupert und Robert zwielichtige Gegenspieler wie den Teppichmogul Nassir, eine Hure im roten Kleid und einen Derwisch in der Wüste überwinden. Doch statt an sein Ziel zu kommen, zersplittert Roberts Wahrnehmung immer mehr in einen wahnhaften Rausch. Wer also handlungsorientierte, stringente Geschichten bevorzugt, wird sich hier schnell nicht mehr zurecht finden. Ich bin auch etwas ratlos, ob die Art, wie der Roman immer mehr zerfasert, ein gewollter Kunstgriff ist (so wie der Wahnsinn hier um sich greift, wahrscheinlich schon) oder ob dem Autor ein wenig die Ideen ausgingen. Es handelt sich auf jedenfall um eine anspruchsvolle Lektüre, die dem Leser einiges an Denkvermögen abverlangt. Der Roman lohnt sich vor allem wegen Stichmanns Sprachakrobatik. Die ist wirklich atemberaubend. Da kann über einige erzählerische Schwächen hinweg sehen.

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