„Zurück auf Glück“ von Patricia Marx

Eine intelligente Liebeskomödie aufzustöbern, ist so schwierig wie heute eine Friseurin ohne Steißbein-tättowierung zu finden oder im Fernsehen mal eine Folge von SpongeBob einzuschalten, die man noch nicht kennt oder vielleicht auch für eine Party den exakten Bierverbrauch der Gäste zu berechnen. Hurra, Patricia Marx erweist sich in diesem Fall als echter Glücksgriff! Nein, sie ist kein Bier-in-Liter-pro-Kopf-Rechengenie, sondern ihr ist mit „Zurück auf Glück“ eine wirklich witzig-geistreiche Liebesgeschichte gelungen, die den Humor von Woody Allen und Miranda July vereint.

Die New Yorker Singles in ihrer Geschichte, die Dessous-Designerin Imogene Gilfeather und der Laborforscher Wally Yez, passen eigentlich perfekt zusammen. Das weiß der fremde Sitznachbar im Broadway-Bus, der Imogene mit Wally verkuppeln will. Das wissen die Eheleute Sepkowitz, auf deren Dinnerparty Imogene und Wally sich zum ersten Mal in der Apfelkuchen-Schlange begegnen. Und das weiß Wally, spätestens als er bei Imogene zu Hause eine aus zerknitterten Chipstüten gebastelte Ananas entdeckt. Nur Imogene will das Offensichtliche nicht wahrhaben. Sie ist froh, dass es in ihrem Leben keinen Mann gibt, der ihr dabei zusieht, wie sie in Jogginghosen gedünsteten Brokkoli aus einem großen Plastiktopf schaufelt. Sie ist eine rundum glückliche und unabhängige Frau. Trotzdem schleicht sich Wally langsam in ihr Leben und ihr Herz.

Ein Buch, bei dem man Purzelbäume schlagen möchte über die Kreativität der Autorin Patty Smith, die wie ihre momentan extrem erfolgreiche Comedy-Kollegin Tina Fey früher Sketche für Saturday Night Live geschrieben hat. Zum Beispiel ist ihre leicht schrullige „Fem-Nerd“-Heldin Imogene wie gesagt Dessous-Designerin. Weil Patty aber nicht in der Lage ist, als Anschauungsmaterial für ihre Leser einen BH zu zeichnen, malt sie stattdessen einfach einen Kaktus. Neben ihren vielen Krickelkrackel-Bleistiftskizzen bringt sich die Autorin auch sonst gern selbst ins Spiel: Sie verschläft Kapitel, sie staunt, sie hat keinen blassen Schimmer, was ihre Figuren so treiben. Ganz so, als wenn diese ein Eigenleben führen würden. Ab und zu nerven die schnell hintereinander geschalteten Gags und auch die vielen Zeichnungen unterbrechen manchmal leider den Lesefluss, dennoch ist „Zurück auf Glück“ eine rundum glücklich machende Feel-Good-Romanze für Großstadtneurotiker und Beziehungslegastheniker.

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