„Zeit des Zorns“ & „Kings of Cool“ von Don Winslow

Am 11. Oktober kommt Oliver Stones Verfilmung des Don Winslow Actionkrachers „Savages“ (deutscher Buchtitel: „Zeit des Zorns“), u.a. mit Blake Lively, Benicio del Torro und Salma Hayek,  in die deutschen Kinos. Einen Monat vorher erscheint hierzulande auch die Vorgeschichte zu Zeit des Zorns als Roman: Kings of Cool. Eine super Gelegenheit, sich die beiden Drugs-and-Crime-Stories im Doppelpack reinzuziehen. Aber können Prequel und Sequel gegeneinander bestehen?

Sagen wir mal so: Wer das eine liest, wird auch das andere lesen wollen. Denn Winslow-Bücher sind verdammt süchtig machender heißer Scheiß. Der Autor hat in der Literatur geschafft, was Quentin Tarantino damals mit „Pulp Fiction“ im Film geschafft hat: Er hat das leicht trashige Gangster-Genre revolutioniert. Komplex verschachtelte Storylines, arschcoole Figuren, schnelle Schnitte und Dialoge, viele Drogen, Sex, Gewalt, Rock’n’Roll, Baby. Und für sich genommen, sind sowohl „Zeit des Zorns“ als auch „Kings of Cool“ starke Bücher. In beiden geht es um die Kumpels Ben,  Chon und Ophelia, kurz O. Die drei verbindet nicht nur eine tiefe Freundschaft, sondern sie führen auch eine lockere, stressfreie Dreiecksbeziehung. Im südkalifornischen Surfmekka Laguna Beach bauen sie ein florierendes Geschäft mit feinstem THC-getränktem Marihuana auf, was ihnen nicht nur Freunde, sondern auch viele Feinde einbringt.

„Zeit des Zorns“ + „Kings of Cool“ erzählen vom Aufstieg und Fall des Drogenimperiums des Trios. Jedes Buch funktioniert für sich allein super. Zusammen hakelt‘s allerdings unschön im Gebälk: Don Winslow hat so viele Widersprüche in die Geschichte reingehauen, das man das Gefühl kriegt, er kennt seine eigenen Bücher nicht. Zum Beispiel heißt es in „Zeit des Zorns“, dass Ben und Chon auf die Geschäftsidee mit dem Hydrocannabis gekommen sind, weil sie mit Volleyball spielen so viel Kohle gemacht haben. In „Kings of Cool“ ist es genau umgekehrt: Die beiden brauchen so viel Geld für ihre Gewächshäuser, dass sie deshalb bei Volleyball-Turnieren mitmachen. Das weckt den Verdacht, dass Winslow schnell nach dem Riesenerfolg von „Zeit des Zorns“  ein Buch hinterher schieben wollte. Außerdem werden nochmal Hintergrundinfos aus dem Sequel im Prequel lauwarm aufgebrüht – und zwar fast wortwörtlich. Das wirkt etwas lieblos. Als Fan freut man sich in „Kings of Cool“ allerdings über ein Wiedersehen mit Helden aus anderen Winslow-Romanen wie Bobby Z und Frankie Machine. Solche Cameo-Auftritte zeigen, welchen Kultstatus der Krimiautor mittlerweile genießt – er ist der King of Supercool! Wer sich noch nicht davon überzeugt hat: Zugreifen!

Wer auf Action steht, entscheidet sich für „Zeit des Zorns“. Wer mehr emotionale Tiefe braucht, greift zu „Kings of Cool“! Wer beides liest: Am besten nicht den Fehler (wie ich) machen und beides direkt hintereinander weglesen. Dann merkt man die vielen Unstimmigkeiten vielleicht gar nicht 😉

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