„Indigo“ von Clemens J. Setz

Fast hätte Clemens J. Setz mich überzeugt. Fast. Sein neuestes Werk Indigo beginnt wie eine spannende Akte X-Folge. Kinder, die unter einer mysteriösen Krankheit leiden, dem Indigo-Syndrom, das bei ihren Mitmenschen Schwindel und Brechreiz auslöst. Ein Schweizer Institut für Indigo-Schüler, von dem Kinder immer wieder abtransportiert werden. Dazwischen der Autor Clemens J. Setz selbst, der als Mathematiklehrer an dem Institut unterrichtet und dem Verschwinden der Kinder auf den Grund gehen will. Gesammelte Zeitungsartikel, Reportagen, Briefe, Akten, Interviews…doch nach den ersten Kapiteln ahnt man es schon: Die Forschungen verlaufen im Nichts, des Rätsels Lösung findet sich nicht zwischen diesen Buchdeckeln, höchstens zwischen den Zeilen. Am Ende musste ich mich zwingen, die Geschichte zu Ende zu lesen – vielleicht verpasst man sonst noch einen entscheidenden Hinweis? Wer’s glaubt.

Ich habe immer wieder Zeitungskritiken über „Indigo“ gelesen und nur Lob gefunden. Ich frage mich, ob die Fachidioten nur so tun, als hätten sie den Roman kapiert, oder ob ich es einfach intellektuell nicht schnalle. Von Setz Prosa geht etwas streberhaftes, verkopftes aus, das durchaus zu dem wissenschaftlichen Duktus des Romans passt, aber auch irgendwie arrogant und angestrengt wirkt. Dazu da, das Feuilleton zu beeindrucken und dem Leser seine Kleingeistigkeit vor Augen zu führen. Alles ist hier irgendwie bedeutungsschwanger: Das Innere einer Gießkanne, ein Glas Milch auf dem Nachttisch, Kung-Fu-Filme und eine seltsame Faszination für spermaverklebte Gesichter. Aber wohin führt das? Der Roman wird als „experimentell“ bewertet – ein Label, das einem künstlerisch alles durchgehen lässt. Das einzige, was mich überzeugt hat, ist die Sprache. Im Unterrichtsfach Deutsch kriegt der Autor ne glatte Eins.

Für mich hat sich das Klischee leider bestätigt: Wer wie Clemens J. Setz aussieht wie ein Streberbubi mit Mittelscheitel und Kassengestell, der ist auch meistens einer. Das ist jetzt nur eine halbe Beleidigung, denn Selbstironie hat der Mann auf jeden Fall. Im Roman lässt er sich als „bebrillt, fettiges Haar“/“Die Augen eine Spur eulenhafter. Und die Augenbrauen immer noch dabei, langsam zusammenzuwachsen.“ beschreiben. Witzig. Ansonsten möchte man ihm raten: Mach dich mal locker, Alter! Apropos „Alter“: Setz ist Jahrgang 1982. Trotzdem wird er nie in einen Topf mit anderen Autoren seiner Generation zusammengeworfen. Das mag an seinen Themen liegen, das mag aber auch daran liegen, dass er sich unglaublich anzustrengen scheint, klüger, gelehrter, kultivierter zu sein als seine Altersgenossen. Clemens J. Setz hat Ingeborg Bachmann mal „pseudo-poetisch“ genannt. Deshalb wage ich jetzt mal den Vorwurf ihn als „pseudo-intellektuell“ zu bezeichnen.

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3 Kommentare zu “„Indigo“ von Clemens J. Setz

      • war ja auch einer 🙂
        Vielleicht hast du meinen sarkastischen Unterton mitbekommen, aber du sieht wirklich schön aus 🙂
        Ja du hast schon recht und bei deinem schönen Antlitz wirkt das Buch auch viel besser als so hingeklatscht.
        Meinetwegen musst du jetzt nicht damit aufhören, ich dachte nur, es hat vielleicht irgendeine Bedeutung warum du das so machst.

        Liebe Grüße
        Gregor

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