„Der Mann aus dem Safe“ von Steve Hamilton

Erinnert ihr euch noch an die Panzerknacker-Bande aus den Lustigen Taschenbüchern? Die Jungs waren ja mäßig erfolgreich im Safeknacken. Im Krimi Der Mann aus dem Safe von Steve Hamilton geht’s dagegen um den besten Tresorknacker aller Zeiten! Warum der trotz seines Talents – oder gerade deswegen – seit zehn Jahren im Knast sitzt, verrät dieses fiktive Biopic.

„Vor langer Zeit war ich einmal der Wunderjunge. Später der Stumme aus Milford. Der Goldjunge. Der junge Ghost. Der Kleine. Der Schrankmann. Der Schlosskünstler. All das war ich. Aber Sie dürfen mich Mike nennen.“ Mike ist ein Meister im Schlösser knacken. Schon als Achtjähriger macht er traurige Schlagzeilen, weil sein Vater ein furchtbares Familien-Massaker anrichtet. Mike überlebt als einziger, indem er sich in einem Tresor einschließt. Seit diesem traumatischem Erlebnis spricht er kein Wort mehr und entwickelt eine ganz besondere Beziehung zu Schlössern, die ihn bereits auf der Highschool auf die schiefe Bahn geraten lässt. Der einzige Lichtblick in seinem Leben ist die gleichaltrige Amelia. Auch eine Außenseiterin, für deren Dad Mike die ersten krummen Dinger dreht. Jetzt sitzt Mike im Gefängnis von Michigan und schreibt seine Lebensgeschichte auf.

Durch Rückblenden und Zeitsprünge gelingt es Steve Hamilton die Spannung aufrechtzuerhalten, obwohl man ja weiß, wie die Geschichte ausgeht. Das Besondere an diesem Buch ist, dass es sich eigentlich jeder Genre-Schublade entzieht. 2011 hat das Ding den bedeutenden Edgar Award als bester Roman gewonnen, der von den „Mystery Writers of America“ verliehen wird. Deshalb dachte ich zunächst, es handle sich bei Mikes besonderer Gabe um eine übersinnliche Fähigkeit. Auch wenn der Story etwas schicksalhaftes, fast magisches innewohnt, bleibt er doch sehr realistisch und authentisch. Das zeigt sich vor allem an den detailreichen Beschreibungen von Mikes Safeknacker-Künsten, die für meinen Geschmack schon zu ausführlich ausfallen.

„Der Mann aus dem Safe“ ist eine gelungene Mischung aus Krimi, Drama, Coming-of-Age- und Liebesgeschichte. Mich hat vor allem die zarte Romanze zwischen Mike und Amelia berührt. Die Szenen, in denen die beiden sich ihre Liebe in Comic-Zeichnungen gestehen (man darf nicht vergessen: Mike ist stumm), sind die stärksten im ganzen Buch. Das einzige, was mir nicht so gut gefallen hat, ist die etwas konstruierte Erzählweise – die Handlung läuft zielstrebig auf Mikes Kindheitstrauma und seine Verhaftung hinaus. Trotzdem ein vielschichtiger, ungewöhnlicher, gefühlvoller und kluger Gangster-Roman.

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