„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green

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Einer der größten Überraschungserfolge 2012 war Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green. Viel wurde bereits gesagt über dieses Krebsbuch, das kein Krebsbuch sein will. Und doch habe ich meine Ohren standhaft verschlossen, um ein unvoreingenommenes Leseerlebnis zu genießen. Naja. Die Erwartungen waren trotzdem hoch, denn wenn ein Buch mit dem Pressezitat: „Wer hier nicht weint und nicht lacht, fühlt wohl schon lange nichts mehr…“ beworben wird, dann will man diesen Roman auch irgendwie unbedingt mögen (sonst wäre man ja ein Stein). Am Ende ist das auch geglückt und ich habe Rotz und Wasser geheult.

Über die Handlung will ich im Detail gar nicht so viel verraten. Zusammengefasst geht es um Hazel. Hazel ist 16, liebt Americas Next Top Model, ist hochbegabte College-Studentin und unheilbar an Schilddrüsenkrebs erkrankt. Da die Krebszellen auch in Hazels Lunge gestreut haben, ist ihr ständiger Begleiter „Philipp“, eine Beatmungsmaschine. In einer Selbsthilfegruppe  für krebskranke Kinder lernt Hazel den 17-jährigen Gus kennen, ein ehemaliger Basketball-Champ, der den Knochenkrebs zwar besiegt, aber einen Unterschenkel verloren hat. Es ist der Beginn einer großen, aber aussichtslosen Liebe.

Die Entwicklung der Geschichte ist ziemlich schnell zu durchschauen. Die Originalität liegt in der absolut herausragenden Erzählweise. Im Roman heißt es: „Ich glaube, man hat immer die Wahl, wie man eine traurige Geschichte erzählt, und wir entschieden uns für die komische Variante.“ Ein ebenfalls wiederkehrender Spruch lautet „Die Welt ist keine Wunscherfüllmaschine“. Genauso gehen die beiden überhaupt nicht heroischen Romanhelden mit ihrem Schicksal um. Die Welt ist ungerecht und da gibt es nunmal nichts zu beschönigen, nur zu ertragen, zu trotzen, zu belächeln. Das Klischee der tapferen Krebskinder mit Kämpferseele wird hier mächtig auf den Kopf gestellt, ohne vor den Kopf zu stoßen. John Green gelingt eine magische Balance zwischen Humor und Tragik, ohne dabei je in Pathos oder Kitsch zu verfallen. Ehrlich, ohne gemein zu sein. Witzig, ohne zynisch zu sein. Einfühlsam, ohne rührselig zu sein.

„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist kein Krebsbuch. Es ist ein Buch über Vergänglichkeit, Sterblichkeit, Menschlichkeit – und damit ein universelles Buch, das jeden angeht. Ein Buch, das sogar ein bisschen die Angst vor dem Tod nehmen kann. Daher zuletzt noch ein Wort zu der Kategorisierung dieses Titels als „Jugendbuch“. Denn dieser Roman ist das beste Beispiel dafür, dass das Jugendbuch-Genre erwachsen geworden ist. Weniger umfasst der Begriff eine Zielgruppe junger Leser, sondern Geschichten, die von jungen Romanfiguren handeln. In keinem anderen Alter machen wir größere Entwicklungssprünge, Reifeprozesse und Identitätssuchen durch als zwischen 10 und 20 Jahren. Es würde also komisch wirken, wenn ein 40-jähriger Romanheld erst jetzt lernt, zum Beispiel Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen oder erfährt, dass er in Wirklichkeit ein Zauberlehrling ist 😉 Eine Altersbeschränkung für die Leser gibt es dagegen nicht. Deshalb steht „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ richtigerweise auch in den meisten Buchhandlungen sowohl in der Jugend- als auch in der Erwachsenenecke. Und wird deshalb auch von mir jedem in Zukunft gefragt oder ungefragt mit einem Lesebefehl in die Hand gedrückt!

Nachtrag: Der Trailer zur Verfilmung, die im Juni 2014 in die amerikanischen Kinos kommt, wurde bereits in den ersten zehn Tagen nach seiner Veröffentlichung über zehn Millionen mal angeklickt! Deutsche Fans müssen sich noch bis August gedulden, dann soll der Film auch hier in die Kinos kommen.

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3 Kommentare zu “„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green

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