„Der Mann, der den Regen träumt“ von Ali Shaw

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Wenn sich dieser Tage die Welt in ein zauberhaftes Winterwunderland verwandelt, braucht man ein ebenso zauberhaftes Buch, mit dem man sich auf der Couch gemütlich wegträumen kann. Das moderne Liebesmärchen Der Mann, der den Regen träumt von Ali Shaw ist da genau der richtige Stimmungsfänger. Nicht disneymäßig süß, sondern melancholisch und wunderlich wie ein Tim Burton-Film. Wer bereits Shaw’s ersten Roman „Das Mädchen mit den gläsernen Füßen“ mochte, der wird hier eine ganz ähnlich geheimnisvolle Atmosphäre vorfinden wie auf der Insel St. Hauda’s Land.

Diesmal spielt die Geschichte in dem verwunschenen Städtchen Thunderstown, das vom Rest der Welt abgeschnitten zwischen hohen Bergen liegt. Hier bringt das rauhe Wetter seltsame Naturphänomene hervor: Vögel verwandeln sich in Licht, wilde Wölfe werden zu dichtem Nebel, Wasserpferde entsteigen den Bergseen. Doch das wunderlichste aller Wesen ist der 24-jährige Finn, der halb Mensch, halb Gewitterwolke ist. Finn ist die wahr gewordene Legende vom Old Man Thunder, den die Leute im Ort so sehr fürchten. Doch dann begegnet Finn Elsa, die nichts weiß von den uralten Mythen, die sich um die Gegend ranken. Denn Elsa ist aus dem fernen New York in die stille Einöde von Thunderstown geflohen, um vor ihrem alten Leben wegzulaufen. Als sie zufällig beobachtet, wie Finn aus seiner Verzweiflung heraus versucht, sich für immer in eine Wolke zu verwandeln, kann sie ihn im letzten Moment retten. Es entspinnt sich eine zerbrechliche Liebe zwischen den beiden, die eigentlich nicht sein darf. Denn so sanftmütig Finn auch erscheint: Er trägt Blitze in sich. Und dann sind da noch die abergläubischen Menschen aus Thunderstown, die sich vor allem Fremden fürchten.

In Ali Shaws Büchern schmiegen sich Märchen, Fantasie und Realität auf so selbstverständliche Art und Weise ineinander, dass Magie zur Wirklichkeit wird. Und das ganz ohne fliegende Superhelden oder Zauberer. Ihn interessieren die Menschen und ihre Schicksale, die von höheren Mächten durcheinander gewirbelt werden. Deshalb wird Shaw auch häufig mit dem dänischen Märchenerzähler Hans Christian Andersen, dem Schöpfer der Kleinen Meerjungfrau, verglichen. Die eigentliche Magie in seinen Romanen ist aber die Sprache. Sie steckt voller schlichter Schönheit  und Poesie. Sie bringt so sehnsuchtsvolle Sätze hervor wie „Ihre Körper fügten sich ineinander wie auseinandergedriftete Kontinente“ oder: „Er sagte, Menschen seien wie der Wind. Manchmal laut, sagte er, und manchmal ein Flüstern, manchmal warm und manchmal erschreckend kalt. Aber trotzdem würden wir weiterwehen, immer weiter vorwärts, und keine Spuren zurücklassen.“ Das sind Worte wie Kleinode, nie zu geschliffen, aber auch nicht zu kitschig. Einfach zum Seufzen schön. Hach.

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