„Der Zauber der Casati“ von Camille de Peretti

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Auf Partys trug sie eine echte Boa constrictor um den Hals, sie flanierte mit Krokodilbabies und Leoparden an der Leine durch die Straßen von Paris und Venedig,  ließ eine lebensechte Wachspuppe von sich anfertigen, die sie mit zum Shoppen nahm, und Picasso schuf für sie eine kubistische Robe mit integrierter elektrischer Beleuchtung, die sie um ein Haar umgebracht hätte. Gegen Luisa Casati wirken die Lady Gagas und Paris Hiltons von heute wie brave Klosterschülerinnen. Gesellschaftskolumnen in aller Welt berichteten von den Großtaten der göttlichen Marchesa Casati. Sie, die reichste Frau Italiens, wollte eine Muse sein und gab Selbstportraits bei den berühmtesten Künstlern des 20. Jahrhunderts in Auftrag, die sie für immer unsterblich machen sollten. Und tatsächlich soll sie der Legende nach die am häufigsten gemalte Frau der Kunstgeschichte nach Kleopatra und der Jungfrau Maria sein. Ihr Gesicht ist auf ewig in den bekannten Werken großer Maler und Fotografen wie Man Ray gebannt. Wie kommt es also, dass heute nur noch wenige ihren Namen kennen?

Diese Frage stellt sich Camille de Peretti in Der Zauber der Casati. Eine literarische Hommage an „ihre“ Luisa, oder wie es im Buch heißt: „Der Roman ihres Lebens, so wie ich von ihr geträumt hatte, wie ich sie spürte, ganz und gar subjektiv“. Es ist eine berauschende Liebeserklärung geworden. Intim, inspirierend, dekadent, die ebenso viel über die historische Hauptfigur wie über die Autorin verrät. Denn Camille de Peretti träumte selbst einmal davon, eine Muse zu sein. Doch die Französin endete nur als drittklassige Schauspielerin in einem nie vollendeten Independent-Kurzfilm eines New Yorker Regisseurs. Der Mann macht sie zwar nicht berühmt, setzt ihr aber den Floh über die Marchesa Casati ins Ohr. Einer gefallenen Königin, die allen Glanz der Welt erlebt und dann im Elend endete. Camille de Peretti entwickelt über die Jahre eine Obsession für die Casati. Sie wird zwar keine berühmte Hollywood-Schauspielerin, die über rote Teppiche flaniert, dafür aber eine sehr erfolgreiche Schriftstellerin, die mit „Der Zauber der Casati“ sicher auch in Deutschland ihren großen Durchbruch feiern wird.

Denn de Perettis Narrativik ist so besonders, so erfrischend anders, lebendig und liebenswert, dass man sie – und natürlich die Casati – einfach in sein Herz schließen muss. Es sind gar nicht mal so sehr die Worte, sondern die Nonchalance, mit der die Autorin wie mit einem elegantem Fingerschnipp (scheinbar) intime Geständnisse aus ihrer eigenen Biographie mit dem Leben der italienischen Gräfin zusammenwürfelt. Und das mit so galoppierend temporeichen Gedankensprüngen, wie nur eine Frau sie zustande kriegt. Themen der Roman-Recherche und des Schreibens stehen hier gleichwertig neben Mode, Kunst, Liebe, Rausch. Es ist wie Paul Auster und Vogue zusammenlesen. Wer diesen Roman verschlingt, der wird den Namen Luisa Casati bestimmt nicht so schnell wieder vergessen, wird sich – so wie Camille de Peretti – elektrisiert fühlen von ihren Extravaganzen und spektakulären Auftritten. Ich jedenfalls bin gerade auf der Suche nach einem Kunstdruck oder Bild von der göttlichen Marchesa für mein Arbeitszimmer – aber ich kann mich einfach nicht entscheiden. Besonders gefallen mir die feenhaft-romantischen Arbeiten von Giovanni Boldini und Augustus John. Aber eigentlich ist jedes ihrer Portraits einfach … göttlich.

Dabei fällt mir auch sofort „Laura“, ein Song von Bat for Lashes ein, der auch „Luisa“ heißen könnte, so perfekt passt er zum Roman.

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7 Kommentare zu “„Der Zauber der Casati“ von Camille de Peretti

  1. Hmm, spannend. Tatsächlich ist mir ihr Gesicht schon öfter begegnet, ohne dass ich ihren Namen kannte. Sehr toll finde ich ja Boldinis Bild von ihr in schwarzem Dress mit Hut und Hund von 1908!
    Übrigens mag ich deine Artikelbilder, die oft super zur Besprechung passen, machst du sie selbst?

    • Ja, das Bild von Boldini kenne ich. Das ist toll, vor allem die dunkle Farbkomposition und der glühende Blick der Casati.
      Die Artikelbilder mache ich selbst und bearbeite sie dann mit Instagramm oder PicsArt. Ich lasse mich da vom Buchcover inspirieren – und falls es möglich ist, natürlich auch vom Inhalt. Das macht mir riesig Spaß 😀

    • Liebe Petra, vielen Dank für die Lesetipps! Gerade hatte ich auch Gelegenheit, mich durch Strange Flowers zu klicken. Was eine skurrile Idee und sehr hübsch gemachter Blog, bei dem man sich auch einfach durch die schönen Fotos klicken kann 🙂

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