„Beautiful Bastard“ von Christina Lauren

BeautifulBastard2013Cover

Ich habe dieser Tage ein neues Wort erfunden, das leider nicht ganz jugendfrei und etwas infantil ist, aber die Symbiose aus Fan Fiction und Erotikliteratur meiner Meinung nach ganz gut auf den Punkt bringt: Ficki-Ficki-Fan-Fiction. Okay, jetzt steht es hier schwarz auf weiß. Da die Bestsellerlisten von dieser Art Büchern nur so wimmeln, bin ich in meinem Job irgendwie unfreiwillig zur Erotic Romance-Expertin geworden. Ich habe zum Beispiel alle drei Shades of Grey-Bände gelesen. Die ganzen verdammten 1.200 Seiten!!! Was witzig ist, weil ich mich selbst immer als glühende Vertreterin des postmodernen Feminismus sehe. Ich würde noch nicht mal behaupten, dass ich besonders intellektuell bin, höchstens reflektiert. Was also tun, wenn man F**i-F**i-Fan-Fiction liest? Den Verstand an der Gardorbe abgeben? Geht irgendwie nicht, denn Sex entsteht ja auch im Kopf und der ist nun mal am Rest meines Körpers drangeschraubt…ich versuche also fair und diplomatisch in meinem Urteil zu bleiben und mich für die Millionen von Frauen zu freuen, die hier dem tristen Alltag für ein paar feurige Stunden entfliehen können. Nicht umsonst wird Fifty Shades of Grey auch als Hausfrauenporno bezeichnet.

Jetzt ist also in den USA bei Simon & Schuster/Gallery Books der erste Roman erschienen, der es jemals direkt von der Fan Fiction zum professionellen Verlagsvertrag geschafft hat: Beautiful Bastard von den Freundinnen Christina Hobbs und Lauren Billings, die sich als Autorenduo Christina Lauren nennen.2009, im selben Jahr wie Fifty Shades of Grey-Erfinderin E.L. James, stellte Christina ihre Twilight-Fan Fiction unter dem Namen „The Office“ online. Über 2 Millionen User luden die heiße Büroromanze, die die Handlung der Vampirromane in ein Büro verlegt damals herunter. Diese Woche wurden auch die Filmrechte an Constantin vergeben.

Was man Christina Lauren zu Gute halten muss: Die beiden Mädels haben im Gegensatz zu E.L. James ihren Roman noch einmal gründlich geschrubbt, bevor er in den Buchdruck ging. Der Erzählstil ist deutlich besser, weniger Redundanz, mehr Varianz. „Beautiful Bastard“ ist auch nur halb so dick wie einer der Shades of Grey-Bände. Auch wenn Ende Mai noch ein zweiter Teil folgt. In „Beautiful Stranger“ wird es dann aber um ein anderes Liebespaar gehen und die beiden Hauptfiguren aus „Beautiful Bastard“ kommen nur noch am Rande vor.

Aber worums gehts eigentlich? Es ist das typische Was-sich-liebt-das-neckt-sich-Gerangel. Die 26-jährige Marketingassistentin Chloe Mills hasst ihren Boss Ryan Bennett aus tiefstem Herzen. Der jüngste Sproß der Ryan Media Group in Chicago hat das Aussehen eines männlichen Model und treibt die weibliche Belegschaft mit seiner Frisur, die immer irgendwie nach „frisch gevögelt“ aussieht, in den Wahnsinn. Auch Chloe kann sich seinem Reiz nicht entziehen, wäre Bennett nicht leider auch ein Arschloch ersten Grades: Arrogant, cholerisch, anmaßend. Trotzdem können die beiden die Finger nicht voneinander lassen und so vögeln sie sich über 320 Seiten durch Konferenzräume, Treppenhäuser, Limousinen, Umkleidekabinen und Hotelzimmer. Das wirkt wie der Settingwechsel beim Pornodreh und wer nicht gerade selbst mit männlichen Models zusammenarbeitet, wird irritiert an die eigenen Arbeitskollegen denken und relativ schnell abgetörnt sein. Ebenso irritierend ist Bennetts Angewohnheit, Chloe nach jedem Quickie die sauteuren, zerrissenen La Perla-Höschen zu mopsen und in seiner Schreibtischschublade aufzubewahren. In meiner Vorstellung machen sowas nur Psychos und eklige Stalker. Eine seltsame Sexualität, die in „Beautiful Bastard“ gelebt wird, viel befremdlicher als die Popohaue und Bondagespiele in Shades of Grey.

Eine schöne neue Idee, die in „Beautiful Bastard“ steckt: Die Kapitel werden abwechselnd aus Chloes und Bennetts Perspektive erzählt. Das ist durchaus reizvoll, weil Bennett nach außen hin den unnahbaren Eisklotz gibt und es witzig ist, seine wahren Gefühle für Chloe zu erfahren. Abgesehen von der Hassliebe der Figuren füreinander, bleiben Chloe und Bennett jedoch als Personen ganz schön blass. Man erfährt kaum etwas über sie, weil sie immer nur in der Lust für den anderen gespiegelt werden. Jeder Dialog oder Szene gerät zum Cliffhanger für den nächsten Sex – und die Übergänge sind sogar ziemlich gleich aufgebaut: Ich hasse sie/ihn – Aber ich will sie/ihn – das war das letzte Mal, dass ich mich von ihr/ihm habe verführen lassen – DENN: Ich hasse sie/ihn – Aber ich will sie/ihn usw. usw. Ob das reicht, um von einem Roman zu sprechen? Tatsächlich ist das letzte Viertel von „Beautiful Bastard“ am gelungensten. Es ist der Teil, wo Chloe und Ryan miteinander brechen und sie sich über ihre Gefühle klar werden müssen. Erotic Romance Fiction ohne Romance, also ohne Herzschmerz, unerfüllter Sehnsucht und Entbehrungen ist einfach wie ein Körper ohne Narben.

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4 Kommentare zu “„Beautiful Bastard“ von Christina Lauren

  1. Ficki-Ficki-Fanfiction ? 😀
    Arrogant, cholerisch, anmaßend – das ist doch das, was jede Frau sich zum Weihnachtsfest wünscht 😉
    Mensch, hast ja richtig ne Schreibwut gehabt? 🙂

    Liebe Grüße
    Gregor

  2. Hey …
    habe mal ne Frage, ob es das Buch den schon auf deutsch gibt ?
    Bin schon durch viele Buchhandlungen gelaufen und da hieß es dan das es noch nicht übersetzt wurde.

    mfg
    dana

    • Liebe Dana, das stimmt leider 😦 Noch ist meines Wissens kein deutscher Verlag gefunden, also auch keine Übersetzung erhältlich. Eigentlich komisch – wo das doch soooo erfolgreich in den USA ist…lg, Karo

      • Vielen dank für die schnelle Antwort 🙂

        Dann muss ich mich weiter auf die Suche machen nach ähnlichen Büchern wie „shades of grey machen “ .

        Lg dana

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