„Planetenwanderer“ von George R.R. Martin

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Gibt’s bald eine neue TV-Serie vom Game of Thrones-Erfinder George R.R. Martin? Wenn es nach Martin selbst geht, dann aber hallo, bitte ja! Zu gern würde er seine SciFi-Anthologie rund um Weltraumkapitän Haviland Tuf als nächstes seiner Werke verfilmt sehen, schreibt der Autor auf seinem Blog. Wer nicht nur auf bewegte Bilder steht: Jetzt gibt’s Tufs gesammelte Abenteuer unter dem Buchtitel Planetenwanderer erstmals auf Deutsch zu lesen! 

George R.R. Martins Epos “Das Lied von Eis und Feuer” gilt heute als Meilenstein der Fantasy-Literatur und wird in einem Atemzug mit J.R.R. Tolkiens „Herr der Ringe“ genannt. Durch die TV-Adaption „Game of Thrones“ erlangte die Serie noch größeren internationalen Ruhm. In Deutschland liegt die Gesamtauflage aller Bände mittlerweile bei weit über 600.000 Stück. Ebenso wie Tolkien begeistert Martin vor allem durch die Komplexität und Detailverliebtheit seiner fiktiven Welten. Mit dem Unterschied, dass Martin Fantasy mit hartem Realismus und einer modernen Attitude vermischt, wodurch sich auch Leser angesprochen fühlen, die mit dem Genre sonst nicht viel am Hut haben.

Unter diesem Aspekt überrascht es auch nicht, dass „Planetenwanderer“ zumindest in meinen Augen viele Ähnlichkeiten zu „Das Lied von Eis und Feuer“ aufweist. Es sind der dialogische Witz, die vielschichtigen Charaktere und die gesellschafskritische Spitzen, die Martins Handschrift als Erzähler so unverkennbar machen. Dabei scheint es fast egal, ob er seine Stories in archaischen Mittelalterwelten oder in fernen Zukunftsgalaxien ansiedelt.

Im Mittelpunkt steht der ziemlich ungewöhnliche Weltraumheld Haviland Tuf, der mit seinen zweieinhalb Metern Körpergröße aussieht wie ein überdimensionierter Buddha inklusive Plautze und Pläte, kalkweiß und haarlos von Kopf bis Fuß. Tuf ist (mehr oder weniger gezwungenermaßen) Einzelgänger, Veganer, Hobbygourmetkoch und Katzenliebhaber, der die Meinung vertritt: „Kein Planet kann ohne Katzen als wirklich kultiviert bezeichnet werden.“ Ja, ja, ein Leben ohne Katze ist möglich, aber sinnlos…oder wie sagte Loriot einst? 😉

Durch Zufall fällt Tuf, der sein Geld bis dahin mäßig (bis gar nicht) erfolgreich als Händler verdient hat, das letzte Saatschiff der Erdimperialen in die Hände. Das imposante 30 km lange Raumschiff führt eine Zellbibliothek an Bord, die das Klonen und die Genmanipulation ermöglicht. Sie ist dadurch biologische Kriegswaffe und Arche zugleich. Wem das Schiff gehört, der hat die Macht Imperien zu stürzen oder zu retten. Kurz gesagt: Er kann Gott spielen. Und jetzt gehört das Schiff dem sanften Riesen Tuf, der von Planet zu Planet reist, um Völkern in Not seine Dienste käuflich anzubieten. Er löst für den an Überbevölkerung leidenden Planeten S‘uthlam das Problem der Nahrungsknappheit oder hetzt dem falschen Propheten Moses die biblischen Plagen auf den Hals. Gedankt werden ihm seine guten Taten jedoch wenig. Denn Tuf handelt häufig nicht zum Vorteil des Einzelnen, sondern für das Wohl der Allgemeinheit, was seine Kunden jedoch immer erst zu spät bemerken. Umtausch ausgeschlossen sozusagen.

„Planetenwanderer“ ist ein Frühwerk von George R.R. Martin, das der heute gehypte Bestsellerautor bereits in den Achtzigern verfasst hat. Als Leser bekommt man hier quasi sieben grandiose Mini-Romane für den Preis von einem. Denn die Kapitel waren mal Kurzgeschichten einer Fortsetzungsreihe. Das bedeutet erfreulicherweise, dass Fans auf weitere Abenteuer von Tuf Haviland hoffen können. Auf Not A Blog schrieb Martin dazu am 09. Februar 2013: „I have plenty of ideas for the further adventures of Tuf […]. It’s just a question of finding the time.“

Und auch eine mögliche TV-Verfilmung würde Martin liebend gern realisiert sehen: „I need to find a studio and network willing to back a new space show to the tune of many millions of dollars, and that’s not easy. I have pitched Tuf before, and hope to pitch him again, Real Soon Now, but honestly, he’s a tough sell. Television likes its starship captains sexy, like Kirk and Captain Tightpants and Rocky Jones. Tuf is a towering, hairless, fat, pompouse fellow who talks like Alfred Hitchcock and loves pussycats.“ Also ICH würde so einen Helden liebend gern auf der Mattscheibe sehen 🙂

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4 Kommentare zu “„Planetenwanderer“ von George R.R. Martin

  1. Ich kenne bislang nur das Lied von Eis und Feuer, so weit es denn gediehen ist. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen. Um die Planetenwanderer habe ich bisher einen Bogen gemacht. Ohne besonderen Grund; nur weil ich vermutet habe, es sei als Frühwerk und Sammlung von Kurzgeschichten vielleicht nicht besonders dicht und konsistent. War eventuell ein Fehler, oder? 😉

    • Ich war auch total skeptisch am Anfang (vor allem, weil ich ein SciFi-Muffel bin) und habe mich dann vom Gegenteil überzeugen lassen! Hätte ich nicht gewusst, dass es ein Frühwerk von Martin ist, hätte ich es definitiv nicht gemerkt. Die Stories sind wie aus einem Guss, gleichzeitig komplex und eigenständig. Gib Haviland Tuf also eine Chance 😉

  2. ich lese das Buch gerade und finde es unglaublich unterhaltsam und witzig geschrieben. Ebenso das komplexe Universum darum ist interessant. Ob eine Verfilmung Sinn macht weiß ich nicht, nur HBO wird es wohl nicht machen, dafür kommt „in der Tat“ viel zu wenig Sex drin vor 😉

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