„Das infernalische Zombie-Spinnen-Massaker“ von David Wong

deep read_Zombie-Spinnen-MassakerOkay, Leute, wenn ihr die völlig durchgeknallte Indie-Horror-Kiste „John dies at the End“ (2012) noch nicht gesehen habt, es wird Zeit! Die Verfilmung von David Wongs Erstling ist genauso kultverdächtig wie einst „Ghostbusters“ oder „Bill & Ted“ in den Achtzigern. Keine Ahnung, warum es die „John dies“-Romanvorlage noch nicht auf Deutsch zu lesen gibt, dafür aber das Sequel Das infernalische Zombie-Spinnen-Massaker! Ein infernalischer Spaß mit anständig viel blood and gore.

Im Original heißt der Roman übrigens „This book is full of spiders“ und ja, dieses Ding wimmelt wirklich von Spinnen: Monsterkrabbler, die sich im Gehirn einnisten und die Menschen zu gefräßigen, unkaputtbaren Zombies mutieren lassen. College-Abbrecher David Wong und sein Kumpel John sind leider die Einzigen, die die Invasion aufhalten können. Denn seit die beiden von einem Möchtegern-Rastafari eine Droge namens Sojasoße angedreht bekommen haben, sehen sie übernatürliche Dinge. Und von denen passieren in ihrer Stadt jede Menge, weil sie so etwas wie der „Arsch der Hölle“ ist (Sunnydale lässt grüßen!). Im Buch ist der Name der Stadt übrigens geschwärzt und wird durch ein „Unbenannt“ ersetzt, damit auch keiner auf die blöde Idee kommt, dorthin zu fahren.

Auch wenn alle David und John für Losertypen halten, die einen an der Waffel haben, weil sie überall Monster sehen, sind die Auswirkungen des Bösen doch sehr real: Die Spinnen-Infektion breitet sich rasent schnell aus, die Stadt wird von der Regierung abgeriegelt, Internierungslager entstehen. Die Menschen drehen langsam durch, Hipster-Studenten leben ihre Videospielewelt in echt aus, Bürgerwehren patroullieren auf den Straßen und üben Selbstjustiz, Drohnen in der Luft zerfetzen jeden, der fliehen will. David und John bleiben nicht viel Zeit, bis die Stadt durch einen Bombenangriff ein für allemal plattgemacht werden soll. Ein weiteres Problem ist, dass Davids einhändige Freundin Amy sich auf den Weg nach Unbenannt gemacht hat, um ihn dort rauszuholen und nun selbst in der Todeszone festsitzt.

Auch wenn sich Autor David Wong, der in Wirklichkeit Jason Pargin heißt und Chefredakteur der Comedy-Website cracked.com ist, manchmal zu sehr in seinen Handlungsabläufen verliert (dann ging John da hin, da war aber keiner, deshalb ging er zurück und guckte in die andere Richtung, da war aber auch keiner….usw.), hat der Mann einfach unglaublich verrückt gute Einfälle, um der altbekannten Zombie-Apokalypse-Körperfresser-Invasion-Story neues Leben einzuhauchen. So gibt es in der ganzen Stadt verteilt Zaubertüren, durch die nur David und John gehen können. Allerdings wissen sie nicht, wo sie rauskommen, wenn sie die Tür wieder öffnen… Toll ist auch, wie jedes folgende schreckliche Ereignis durch eine digitale Countdown-Uhr dargestellt wird. Dadurch weiß man, dass die Figuren geradewegs auf die nächste Katastrophe zusteuern, kann aber nichts dagegen tun.

Wer einen schwachen Magen hat, der sollte „Das infernalische Zombie-Spinnen-Massaker“ jedoch nur mit Spucktüte in Reichweite lesen. Hier splittern die Knochen, Därme reißen, Köpfe platzen. Trotzdem ist David Wong kein amerikanischer Jörg Buttgereit, der auf kranken Ekel setzt. Vielmehr betrachtet man das durchgedrehte Gemetzel durch die Augen der Antihelden, die man einfach lieben muss und die selbst oft nicht glauben können, was für furchtbare Bilder sich da gerade in ihre Netzhaut brennen (und die sich selbst schonmal wortwörtlich in die Hose machen). Der Humor in dieser Horror-Komödie ist ein guter, leicht verpeilter Kifferhumor, der die menschliche Wärme nie aus den Augen verliert und dabei an die Sachen von Christopher Moore oder Buffy-Erfinder Joss Whedon erinnern.

An dieser Stelle auch noch mal ein großes Dankeschön an die liebe Ann-Kathrin, die für mich auf der InfeCtiON als Zombie-Model herhalten musste! Gruselig, oder?! 🙂

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7 Kommentare zu “„Das infernalische Zombie-Spinnen-Massaker“ von David Wong

  1. Hi Caro!
    Was für ein schräges, abgefahrenes Machwerk! Ich habe eben auf der Verlagsseite die Hörproben genossen und mich köstlich amüsiert!
    Genau mein Ding für ein „kleines Buch zwischendurch“! 🙂
    Ichmelde mich wieder, wenn ich es durchgelesen habe und das dürfte nicht lange dauern.

      • Ich bin durch und habe mich köstlich amüsiert! Natürlich ist das keine anspruchvolle Literatur, aber David Wong spielt sehr witzig mit Sprache, so daß dieser dadurch entstehende, besondere Charme sich sogar gut durch die Übersetzung retten kann. Viel Logik darf man in der Handlung nicht erwarten, aber die Fülle an skurrilen Einfällen macht das wieder wett! Und Du hast vollkommen Recht, Karo! Die Loser in den Hauptrollen sind in ihrer Verpeiltheit viel zu charmant, als daß man sie nicht ins Herz schließen könnte.
        Zum Schluss des Buches blieben allerdings für mich noch zu viele lose Fäden übrig. Wieso haben Zombie-Anna und Carlos überlebt? Wieso waren die beiden überhaupt anders? Wer war Tennant wirklich? Wieso wussten die Schattenmänner nichts von der haarigen Wunderwaffe?
        Von der Wirkung der „Sojasoße“ mal ganz zu schweigen!
        Unterm Strich habe ich es keine Sekunde bereut, daß Buch gelesen zu haben, aber ich kenne nur wenige Menschen, denen ich das Buch empfehlen könnte…
        Man muss schon ein Faible dafür haben, die Intelligenz und die Warmherzigkeit im Wahnsinn zu entdecken, um das Buch wirklich zu mögen 😉
        Liebe Grüsse von Stefan

      • Mensch, du bist aber wirklich zackig! Anspruchsvoll mag der Roman wirklich nicht sein, ich finde ihn aber dennoch geistreicher und gesellschaftskritischer als so manch anderes Werk auf der Belletristikliste. Aber wie du auch schon angemerkt hast: Viele schreckt sicherlich das Genre ab, was ich auch gut verstehen kann. Wobei durch Serien wie „The Walking Dead“ die Zombies genau wie die Vampire langsam auch im Mainstream ankommen. Aber Liebesschwüre säuselnde, abstinent lebende Blutsauger sind einfach mehr was für Teenies als verfaulende Leichen, denen Krabbeltierchen statt Augäpfel aus den Höhlen baumeln 😀

      • Lol!
        So richtig eklig fand ich’s eigentlich nie – das Ganze ist einfach zu überzogen!
        Allemal besser jedenfalls als vegane Vampire mit ständigen Seelenblähungen… :mrgreen:

    • Klar, so ein Horror-Trash ist natürlich seeehr speziell und nicht jedermanns/-fraus Sache 😆 Aber ich wollte die Rezension tatsächlich schon allein wegen des geilen Fotos posten 😉

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