„Ein ganz neues Leben“ von Jojo Moyes

deep read_Ein ganz neues Leben

Die häufigste Frage, die mir gestellt wurde, wenn ich erzählt habe, dass es eine Fortsetzung zu Ein ganzes halbes Jahr geben wird, lautete: „Häh, wie geht das denn? Der Typ ist doch tot.“ Ja ha, aber was ist mit der weibliche Hauptfigur, Lou? Die erfreut sich ja bester Gesundheit und sitzt am Ende von Teil 1 Zukunftspläne schmiedend in einem Café in Paris. Wenn es nach Autorin Jojo Moyes gegangen wäre, hätte sie dort auch für immer sitzen bleiben können, aber die Fans wollten es anders. Ständig fragten sie: „Jojo, was ist aus Lou geworden?“ Die Antwort liefert nun Ein ganz neues Leben (im Original: „After you“). Ein Sequel, das einige große und kleine Überraschungen bereit hält.

„Fuck you, Will“, flüstere ich. „Fuck you dafür, dass du mich verlassen hast.“

Die erste Überraschung ist: Nichts, was Lou sich für ihren Neustart erhofft hat, ist eingetroffen. 18 Monate sind seit Wills Tod vergangen und sie hat das Gefühl, als hätte er sie mitgenommen. Sie fühlt sich so allein wie noch nie in ihrem Leben. Was nützt es, die große, weite Welt zu erkunden, wenn niemand da ist, mit dem man diese Erlebnisse teilen kann? Also ist Lou zurückgekehrt – nicht nach Stretfold, wo sie zur persona non grata geworden ist. Lou hat sich von Wills Vermächtnis eine Wohnung in London gekauft, wo sie sich als Kellnerin in einer Flughafenbar durchschlägt. Zu den Highlights ihres Jobs gehört es, die Kotze der Gäste wegzuwischen, die unter Flugangst leiden, und ein grünes Lurex-Kostüm zu tragen, in dem sie aussieht wie ein Porno-Wichtel. Und als wäre das nicht schlimm genug, fällt Lou eines Abends auch noch reichlich angeschickert vom Dach ihrer Wohnung.

Das Problem ist, dass ihre Familie glaubt, sie wäre absichtlich gesprungen. Also schicken sie Lou in eine Therapiegruppe. Natürlich nicht für Selbstmordgefährdete (schließlich war es ja ein Unfall *zwinkerzwinker*), sondern für Hinterbliebene von Verstorbenen. Aber auch hier fühlt sich Lou völlig deplatziert. Wie soll man Ausstehenden nur erklären, was sie und Will für eine besondere Beziehung hatten?

„Und wie ist er gegangen, Louisa?“
„Wohin gegangen?“
„Gestorben“, sagte Fred hilfsbereit.
„Oh. Er … mh … hat sich das Leben genommen.“
„Das muss ein großer Schock gewesen sein.“
„Eigentlich nicht. Ich wusste, dass er es vorhatte“.

Und ab hier darf man eigentlich kein Wort mehr verlieren, um nicht die größte Überraschung kaputt zu machen. Nur so viel: Es tritt eine Person in Lous Leben, die alles auf den Kopf stellt! Eine Person, mit der wahrscheinlich kein Leser je gerechnet hätte …

Zwar lässt die Geschichte an der ein oder anderen Stelle an Tempo vermissen und plätschert ein wenig vor sich in, aber grundsätzlich würde ich sagen,  dass ich mir keine bessere Fortsetzung für „Ein ganzes halbes Jahr“ hätte vorstellen können. Vor allem ist es Jojo Moyes bisher witzigster Roman – was nicht nur mein persönlicher Eindruck ist, sondern auch die Autorin selbst in einem Interview mit Sophie Kinsella bestätigt. Peniswitze mit eingeschlossen. Natürlich gibt es auch ein paar düstere, raue Momente. Aber genau das ist es ja, was Jojo Moyes Geschichten so besonders macht, dass sie bei all der Romantik nie den Bezug zur Realität verlieren.

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4 Kommentare zu “„Ein ganz neues Leben“ von Jojo Moyes

  1. Juhuuuu – ein Buch das ich nicht lesen möchte 😉 Schöne Rezension but not my cup of tea. Ist aber gut so, sonst könnte ich bald nicht mehr vorbeischauen hier, wenn ich dann jedesmal wieder was auf die Einkaufsliste werfen muss …

  2. Pingback: Netzlektüre #17 | SuBtastisch

  3. Ich mag dieses Buch sehr. Es ist für mich ein toller Nachfolger. Das Erzähltempo und der Witz waren unerwartet und ich habe nur gute zwei Tage für die Lektüre gebraucht. Schade eigentlich. Aber so kann ich ab sofort mit voller Überzeugung sagen: Ja, das Buch ist sehr sehr gut. Nein, warten Sie nicht bis es als Taschenbuch kommt. Lesen Sie es bitte jetzt sofort. Und Taschentücher nicht vergessen.

    Viele Grüße aus Hörde

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