„Cops“ von Matt Burgess

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Der New Yorker Stadtteil Queens ist nicht nur die Homebase von Matt Burgess, sondern auch Schauplatz seiner Romane. Sein Debüt „Die Prinzen von Queens“ war eine liebenswerte Gangsterballade über ein leicht vertrotteltes Brüderpaar (habe ich hier vorgestellt). Jetzt, in seiner zweiten Crime Story, wechselt Matt Burgess die Seiten: Cops erzählt von den alltäglichen Dramen und Grabenkämpfen im Drogendezernat von Queens und entwickelt dabei eine ähnliche Sogwirkung wie episch angelegte US-Ermittlerserien à la „True Detective“ oder „The Wire“.

Es braucht ein paar Episoden bzw. Kapitel, bis man drin ist und ein Gefühl für die Beziehungen der Figuren untereinander entwickelt hat, aber dann taucht man ab in diese asphaltgraue und von Schlafentzug ganz paranoid gewordene Parallelwelt, die ihren eigenen Gesetzen und Regeln folgt, und dementsprechend natürlich auch ihr eigenes Vokabular pflegt. Das Drogendezernat firmiert hier unter dem Namen „der Affenstall“ und die Zivilfahnder nennen sich „Uncles“. Die Aufgabe eines Uncles besteht darin, sich Drogen verkaufen zu lassen. Dazu müssen sie ziemlich überzeugend rüberkommen: als Junkies, Obdachlose, böse Buben. Muss man erwähnen, dass – nicht gerade subtile Diskriminierung am Arbeitsplatz – fast alle Polizisten, die für diesen Job ausgewählt werden, schwarz sind? So auch die 26-jährige Janice Itwaru:

„Jung, farbig, aus der Stadt, ohne Collegeabschluss, mit dem unbedingten Wunsch aufzusteigen, alleinstehend und ohne Kinder, ohne jemanden, der, würde sie im Dienst getötet werden, ihre Pension einstreichen würde, war sie rein theoretisch der perfekte Uncle, der Traum eines jeden Lieutenants im Drogendezernat.“

Janice hat nur noch wenige Monate als verdeckte Ermittlerin zu überstehen, bevor sie zum Detective aufsteigen wird. Sie ist gut, weil sie harmlos aussieht, doch mit jedem Tütchen Gras, jedem Opiumklümpchen, das sie auf der Straße kauft, wird es schwieriger, Dealer zu finden, die ihr Gesicht noch nicht kennen. Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als Janices Erfolge nachlassen, führen ihre Vorgesetzten eine Käufetafel ein: Jeder Uncle muss bis Ende des Monats eine bestimmte Anzahl an Transaktionen abschließen, sonst fliegt er. Also geht Janice immer größere Risiken ein, um die Quote zu schaffen, und bringt dabei sich selbst und ihre Teampartner in Gefahr.

Wirklich erstaunt hat mich, wie sich Matt Burgess in nur einem Buch weiterentwickelt hat! „Cops“ ist ein ausgereifter Polizeiroman, der das Genre zwar nicht neu erfindet, aber definitiv bereichert. Einzig und allein die Art, wie der Autor versucht, aktuelles Nachrichtengeschehen wie beispielsweise Obamas Aufstieg vom Senator zum ersten afroamerikanischen US-Präsidenten in die Handlung einfließen zu lassen, wirkt etwas bemüht. Auch ohne solche Anspielungen wirkt der Roman authentisch, aktuell (oder eben nicht mehr aktuell) und unterschwellig politisch. Wenn sich Janices Kollegen etwa den grausamen Scherz erlauben, ihr eine Burka zu schenken, nachdem sie enttarnt wurde oder wenn einer aus dem Uncle-Team, der nicht nur Eddie Murphy heißt, sondern sich auch als der echte Kinostar Eddie Murphy ausgibt, anmerkt, dass ein Film mit einem afroamerikanischen Undercover-Cop „etwas weniger Massenmarkt-Appeal hätte, wenn du verstehst, was ich meine“. Gerade diese Nicht-Massenkompabilität ist es, die die Uncles in diesem Buch zu sympathischen Antihelden aus Fleisch und Blut macht, mit denen man mitfiebert und mitleidet.

Da „Cops“ eher cool als düster rüberkommt, hier noch mein perfekter Soundtrack zum Buch:

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2 Kommentare zu “„Cops“ von Matt Burgess

    • Wusste ich’s doch, liebe Sabine! 😉 Und ich wollte schon immer mal ein Foto vor dieser Bruchbude machen, an der ich so häufig vorbeifahre – das war jetzt DIE Gelegenheit 🙂 Lg, Karo

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