Das erste Lesejahr mit Kind

Bald wird mein Baby ein Jahr alt. Und ist dann kein Baby mehr. Irritierenderweise wurde ich mehr als einmal gefragt, ob ich jetzt einen Mama-Blog starte? Wer Mama-Blogs liest, weiß, dass das nur als Beleidigung gemeint sein kann. Früher Mensch. Heute Mutter. Nein, auch wenn ich seit der Geburt nur sieben Blogposts hochgeladen habe: Ich lebe und ich lese noch!

Aber lesen im ersten Babyjahr sieht bei mir anders aus. Vor allem: laaangsam. In kurzen Zeitintervallen. Meist umfassen diese 30 Minuten, denn tagsüber macht der neue Mitbewohner genau so lang die Äuglein zu. Als hätte er eine eingebaute Atomuhr. An einem Buch bin ich deshalb dieses Jahr volle Möhre gescheitert: „4321“ von Paul Auster. Davon abgesehen, dass ich mehr als einmal drohte, das schlafende Neugeborene neben mir mit diesem Tausendseiter zu erschlagen, war die Vorstellung, noch bis Weihnachten (2018) daran zu lesen, einfach zu entmutigend. Lesen mit Baby heißt auch: Ich streiche keine schönen Textstellen mehr an, weil ich es schlicht vergesse. Und ich vergesse einiges, auch ganze Buchinhalte. Stilldemenz und so. Schade, dass ich nie vergesse, dass wir noch Magnum im Tiefkühlfach haben.

Abends bin ich dann häufig zu müde, um mich nochmal ans Notebook zu setzen und etwas Gescheites über meine Leseeindrücke zu schreiben bzw. es gibt sehr viel verlockendere Vorstellungen, wie man diese kostbare Zeit nutzen kann. Online Shopping zum Beispiel. Und dann wäre da natürlich noch die Tatsache, dass ich auch noch Texte schreibe, um damit Geld zu verdienen. Ein weiteres verrücktes Hobby von mir. Ab und zu mach ich sogar wieder Bücher im Radio, um am Ball zu bleiben. Ich finde, allein für so viel Einsatz hätte ich einen kleinen Pokal verdient.

Ansonsten erscheint mir der Gedanke, dass ich früher ganze Tage Zuhause rumgeschimmelt habe, heute genauso absurd wie die Vorstellung, dass ich als Teenager jeden Zeitungsschnipsel über Leonardo DiCaprio gesammelt habe. War aber so. Ich war noch nie so viel draußen wie in diesem ersten Babyjahr. Das Kind muss ja tagtäglich bei Wind und Wetter gelüftet werden. In dieser Zeit habe ich Podcasts und Hörbücher für mich nochmal neu entdeckt. Natürlich nur, wenn der Sohn schläft, ansonsten unterhalte ich mich auch schon mal mit ihm, keine Sorge!

Wir lesen sogar abends schon ein bisschen zusammen. Endlich. Aber nichts, was ich hier vorstellen wollen würde. Die Bücher heißen „Felix Fuchs ist mutig“ oder auch ganz klassisch „Die kleine Raupe Nimmersatt“. Wir tasten uns halt langsam an die Materie ran und das Urteil des Minimenschen beschränkte sich dann zunächst auch eher auf „Schmeckt ganz gut, passt aber nicht ganz in den Mund“ und mittlerweile „Kann man voll gut auf- und zu klappen“. Wir steigern uns also. Ich bleibe dran.

Vor ein paar Wochen ist dann tatsächlich ein kleines Wunder passiert: Der Sohn hat sich im Wohnzimmer erstmals eine ganze Stunde lang beschäftigt. Allein. Wir Eltern beobachteten diese uns völlig neue Situation zunächst mit Fassungslosigkeit und dann wachsender Euphorie: Oh Gott, er kommt ohne uns klar! Was machen wir denn jetzt mit dieser ganzen Freizeit? Wo anfangen? Wo aufhören? Es war der Knaller. Ein süßer Ausblick in die Zukunft. Und wenn diese Zukunft dann vollends einschlägt, wird hier auch sicher wieder mehr auf dem Blog passieren.

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