„Older, but better, but older“ von Caroline de Maigret und Sophie Mas

Vielleicht achte ich mehr darauf, seit ich selbst in ein gewisses Alter komme, aber es scheint mir so, als gäbe es heute so viele weibliche Vorbilder jenseits der Vierzig wie noch nie. Die Französin Caroline de Maigret gehört definitiv dazu. Wer ihr auf Instagram folgt, weiß, dass das Model neben ihrer Schönheit auch das besitzt, was man als „personality“ bezeichnet. Schade, dass so wenig davon in ihrem Buch über das Älterwerden Older, but better, but older rüberkommt, das sie zusammen mit ihrer Freundin, der Filmemacherin Sophie Mas, geschrieben hat.

Schon über den großen Erfolg ihrer Stilbibel „How to be Parisian“ habe ich mich hier gewundert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich irgendjemand – geschweige denn ein Feuilleton – für dieses Latte-Macchiato-Geplauder interessieren würde, wenn sie nicht hofften, es möge allein durch die Beschäftigung mit diesem Buch etwas vom Glamour der Autorinnen auf sie herabfallen. Auch wenn an der Qualität der in „Older, but better“ versammelten kolumnistischen Textchen über Schönheits-OPs, reife Beziehungen oder das Töpfern an sich nichts Schlechtes zu sagen ist, bewegt sich das Ganze dennoch nicht über das Niveau einer Frauenzeitschrift wie man sie nebenbei beim Friseur wegblättert hinaus. Soll heißen, man arbeitet sich an den immer gleichen weiblichen Befindlichkeiten ab – doch was soll das Ganze eigentlich? Im Grunde erzählt man der Leserin, was sie ohnehin schon weiß oder anders formuliert: Man erzählt der Leserin einfach von ihr selbst. Und ihren Unzulänglichkeiten.

Damit auch die letzte das versteht, wird im Buch konsequent die Du-Anrede verwendet, im Stil von: „Du weißt, dass sich etwas verändert hat, wenn deine Kollegin in dem Jahr geboren wurde, als du Abi gemacht hast.“ Man kann sich natürlich denken, dass die Autorinnen mit diesem „Du“ auch sich selbst meinen, aber weiß man’s? Auf mich wirken sie auf den vielen Fotos, die sich im Buch finden, präsenter als in ihren Worten. Zumal nicht nachvollzogen werden kann, wer hier eigentlich was geschrieben hat, da Verfassernamen komplett fehlen. Das mag andere Rezipientinnen nicht stören, mir ist das nicht transparent genug. Wo ist das Ich? Wo der autobiographische Bezug? Wo die persönliche Perspektive auf viel besprochene Themen? Jedes Interview mit Caroline de Maigret zum Buch liest sich spannender und aufschlussreicher als das Buch selbst. Zumindest in der Hinsicht verstehe ich das Interesse der Feuilletons.

Wahrscheinlich besteht die Freude an dieser Lektüre einfach darin, sich selbst in dem Geschriebenen wiederzuerkennen. Beim Älterwerden machen wir alle ähnliche soziale Erfahrungen. Fair enough. Es macht den Buchinhalt aber auch fürchterlich vorhersehbar. In den meisten Fällen kann man sich schon denken wie der nächste Satz weitergeht. Zum Beispiel in der Mini-Erzählung „Die Uhr tickt“, die eine Frage behandelt, welche jede Frau irgendwann – in diesem Fall von ihrem Gynäkologen – gestellt bekommt: Wollen Sie Kinder? Was folgt, ist ein Konglomerat aus typischen narrativen Versatzstücken wie sie in Geschichten über die Kinderfrage immer wieder auftauchen: „Es war eben nur schlicht und einfach so, dass sie noch nicht den richtigen Menschen gefunden hatte, dass sie gerade erst anfing sich selbst richtig zu kennen und all das zu verfestigen, was sie sich bis jetzt aufgebaut hatte.“ Am progressivsten ist noch die Tatsache, dass die Protagonistin sich dafür entscheidet, ihre Eizellen einfrieren zu lassen, was immer noch ein „hartnäckiges Tabu“ anspricht. Am Ende ist sie „glücklich bei dem Gedanken daran, dass das Unbekannte nun wieder im Bereich der Möglichkeiten liegt.“ Dass die Kinderfrage damit immer noch nicht geklärt ist, fällt galant unter den Tisch.

Von der Journalistin Katrin Wilkens stammt sinngemäß die Beobachtung, dass auf dem Nachttisch jedes erfolgreichen Mannes mindestens fünf Biographien von anderen erfolgreichen Männern lägen. Es ist zu vermuten, dass es darin nicht um Modefragen oder Schminktipps geht. Auch wenn „Older but better but older“ weder für sich beansprucht Biographie noch Ratgeber zu sein, so zeigt dieses Buches doch, womit Frauen sich stattdessen beschäftigen. Nach der Lektüre ist man nicht schlauer, sondern eigentlich nur eines: etwas älter als vor der Lektüre.