All-time Favorites

Es gibt Bücher, die gehen tiefer. Unter die Haut, in den Verstand, mitten ins Herz oder in die Magengrube. Manche gehen sogar noch tiefer und berühren unsere Seele, mal sachte, mal fordernd. Das sind die Bücher, die für immer bleiben, die ein Teil von uns werden, die wir hegen und pflegen wie Lebewesen, weil sie atmen und Gefühle haben. Ob große Klassiker oder junge Gegenwartsliteratur, jeder, der das geschrieben Wort verehrt, hat seine ganz persönlichen Lieblinge. Was sind eure All-time Favorites? Das hier sind meine:

Gustave Flaubert: Madame Bovary (1857)

Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray (1890)

Paul Auster: Die New York-Trilogie (1947)

Fynn: Hallo, Mister Gott, hier spricht Anna (1974)

James O`Barr: The Crow (1981)

Thomas Bernhard: Holzfällen (1984)

Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (1987)

Tom Holland: Der Vampir (1995) Das Erbe des Vampirs (1996) Die Botschaft des Vampirs (1997)

David Benioff: Stadt der Diebe (2008)

Sofi Oksanen: Fegefeuer (2008)

Advertisements

24 Kommentare zu “All-time Favorites

  1. Ich habe Deinen Blog beim morgendlichen Stöbern entdeckt, als mich die leider noch nicht präsenile Bettflucht, sondern eher die des Midelife-Krisen-Mannes sowie ein hartnäckiger EBV-Virus an den Computer trieb. Genauer gesagt beim Lesen in „aboutsomething“ stieß ich auf Deinen Blog, dort Deinen Kommentar zu Bernhard lesend: Volle Zustimmung.

    Ich bin einerseits kein Fan von Listen, andererseits reizen sie mich, weil man dort komprimieren und sich reduzieren muß. Was sind meine Favoriten?: Ok, vorne, ganz klar, die Prosa Kafkas, insbesondere „Der Prozess“

    Dann weiter, die Rangfolge gibt keine Abstufung wieder:

    Thomas Bernhard, Auslöschung, Holzfällen Wittgensteins Neffe: hieraus besonders die Szene, wo die Protagonisten durch halb Österreich und Deutschland fahren, um die NZZ sich zu kaufen.

    Gustave Flaubert, L’Éducation sentimentale und Madame Bovary (ich bin schon auf die neue Übersetzung bei Hanser gespannt)

    Samuel Beckett, Endspiel

    Clemens Meyer, Als wir träumten

    Don DeLilo, Der Omega-Punkt

    Paul Auster, New York-Trilogie

    Rolf-Dieter Brinkmann, Westwärts 1 &2

    Thomas Mann, Der Zauberberg

    Heinrich Heine, besonders seine spöttischen Gedichte

    Eigentlich ist es schwierig, so eine Liste anzulegen, und ich komme ziemlich ins Grübeln. So viel Ungenanntes. Wer kommt noch hinein, wer nicht? Nur Männer als Autoren! Nehme ich Ingeborg Bachmann oder Juli Zeh noch als Alibifrau auf? So viele Fragen.

    Ansonsten: ein geistreicher, interessanter Blog, auf den ich durch Zufall stieß. Die Idee, jeden Beitrag mit einer Photographie zu eröffnen, gefällt mir sehr gut. Ich ärgere mich, daß ich nicht darauf kam, zumal ich passioniert photographiere.

    • Lieber Bersarin, ich fürchte auch, diese Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Ewigkeitsanspruch – aber schön, dass wir uns auf ein paar Bücher und Autoren einigen können. Ich nehme deine Liste mal als Leseempfehlung, denn alles davon kenne ich nicht.

      Ich habe kein geschütztes Patent auf die Idee mit den Fotos – also bitte, nur zu! 😉

  2. Ich muss endlich mal was von Paul Auster lesen … sagt Laura auch oft zu mir, die schon einiges von ihm gelesen hat. Deine Favourite-Liste erinnert mich auch daran … Wer ist Sofi Oksanen? Noch nie gehört. Deine Liste ist spannend. Wir haben das ja auch gemacht und es ist so schwer, sich für 5 Bücher zu entscheiden, die einem im bisherigen Leseleben am wichtigsten waren. Meinst du, das ändert sich über die Jahre? Wenn man in 10 Jahren so eine Favourite-Liste erstellen müsste, sähe diese sicherlich anders aus … Grüße aus Berlin – Katja

    • Ja, Paul Auster ist eine postmoderne Bildungslücke, liebe Katja 😉 Und weißt du, welcher deiner Lieblinge mir total fehlt? Ich habe noch nie was von Jonathan Franzen gelesen *schäm*

      Sofi Oksanen ist eine finnische Autorin mit estnischen Wurzeln, die aussieht wie die böse Hexe aus dem Märchen, und die auch vor unbequemen Themen nicht zurückschreckt. Ihre Romane kann man feministisch-politisch-historisch lesen, muss man aber nicht, weil sie auch literarisch echte Perlen sind.

      Ich habe bei meiner Liste schon versucht, Bücher zu wählen, die irgendwie exemplarisch für meinen Lesegeschmack stehen. Vampirliteratur interessiert mich durch die Twilight-Hysterie heute nicht mehr, aber vor 15 Jahren war ich verrückt danach (damals waren Vampire noch böse, standen in einer langen literarischen Tradition und glitzerten nicht in der Sonne).

  3. George Orwell: 1984 — Weil es ich damals vor 12 Jahren gelesen habe und es mir wie ein schlimmer Alptraum vor kam, wenn ich nur dran dachte, dass es so was geben könnte. Damals dachte ich noch, das ist fast Hitlerdeutschland oder die Stasizeit. Doch leider ist dieses Szenario (Das: Immer-bedroht-sein-müssen, Angst vor Terror und Feinden. Immer schwelende Krisen und Konflikte. Überwachung zum Schutz der Allgemeinheit. Angst als Druckmittel der Regierung um den Individuen die persönliche Freiheit zu nehmen um ihnen mehr „Sicherheit“ zu verkaufen) heute noch so bedrohlich real, dass das eines der Bücher ist, das ich nie vergessen werde.

    Stephen King: The Stand – Das letzte Gefecht Directors Cut — Ich habe danach noch Carrie, Cujo, Das Mädchen (The Girl who loves Tom Gordon) und Puls von ihm gelesen.. Hätte ich die Bücher alle vor diesem epischen Meisterwerk gelesen, ich hätte heute wohl ein anderes Bild von King. Ich habe The Stand als den 1990 erschienenen Directors Cut gekauft. Also gut 400 Seiten mehr, als die Ausgabe von 1978. Daher kenne ich die erste im Handel erhältliche Version nicht. Ich kann nur sagen The Stand hat mich über Wochen derart gefesselt und mich nächtelang umgetrieben, dass ich eigentlich immer nur enttäuscht war, sobald ich ein weiteres Buch von ihm in der Hand hatte. Puls gab mir denn den Rest… Ein Zombieland (Film mit Woody Harrelson und Jesse Eisenberg) in Buchform. Unterhaltsam wie ein Popcornkino zum hirnabschalten. Aber The Stand ist unerreicht und ein unfassbares Meisterwerk aus meiner Sicht.

    Paul Auster: Mond über Manhattan (Moon Palace) — Dieses Buch bekam ich 1999 geschenkt. Ich wusste ja nicht mal, wer Paul Auster ist. Das Buch handelt lapidar gesagt von einem Träumer und ich konnte mich gut in die Person Marco Stanley Fogg hineinversetzen. 😉

    Noah Gordon: Der Medicus — Mitreißendes Buch! Ich finde, das ist eines der Bücher, die man im Leben gelesen haben muss!

    Patrick Süskind: Das Parfum — Richtig, das Buch, nicht der Film. Obwohl ich vom Film überrascht war, schaffte es nur das Buch tatsächlich so die Geschichte zu erzählen, dass ich stellenweise die erwähnten Blumen und Orte im Buch mir so lebhaft vorzustellen, dass ich manchmal dachte, ich rieche, was er riecht.

    Donna Woolfolk Cross: Die Päpstin —Wieder ein Buch, das verfilmt wurde. Den Film kenne ich nicht. Aber die Päpstin kann ich ohne viele Worte auch als ein Buch, das man gelesen haben sollte, anpreisen!

    Monika Bittl: Die Expedition — Monika Bittl, geboren in meiner Heimatstadt Beilngries, hat mit diesem Buch eine Gruppe von solch sympathischen und herzlichen Frauen geschaffen, dass ich oftmals richtig lachen musste. Es ist kein Roman, der den Anspruch erhebt, sich zur Weltlektüre aufzuschwingen. Aber gerade als Bayer, der die Grantler kennt, die es auch im Buch gibt, war es ein sehr schönes, liebevolles Leseerlebnis, über die Anfänge der Frauen, die sich über das Frauchenimage hinaus selbst etwas beweisen wollten. Empfehlenswert!

    Tad Williams: Traumjäger und Goldpfote — Die Reise eines Katers, der unerschütterlich an etwas Gutes in der Welt glauben will und dafür bereit ist alles zu riskieren. Am Ende aber enttäuscht und doch weise wird. Ein Katzenroman mit viel Katzensprech, der mich beim ersten Lesen mit 15 etwas überforderte. Jahre später, mit 22, aber um so mehr begeisterte.

    Vanessa F. Fogel: Sag es mir — Dieses Buch befasst sich mit den Juden in der Zeit der Nazis… Tut es das? Ja. Auch. Aber was ist mit den Menschen, die in Dritter Generation leben? Was ist mit den Menschen, die die Kinder derer sind, die die Kinder der Holocaust-Überlebenden waren? Was ist mit den Kindern, die in Israel selbst Zeugen bewaffneter Konflikte wurden und endlich genug Distanz zu den Großeltern haben, dass sie mit ihnen über Dinge reden können, die für die Eltern, die Kinder der Überlebenden, noch unaussprechbar waren.
    Und welche Verstrickungen haben die Menschen der 3. Generation mit denen der 1.? Vanessa F. Fogel greift ein Thema auf, das nicht einfach ist. Es gibt Holocaust Überlebende, die in sich verschlossen und ungeöffnet in innerer, einsamer Trauer verstorben sind. Und es gibt diejenigen, die nur über ihr Leid berichten und alles andere als nicht der Rede wert abkanzeln. Kein Leid anerkennen, außer das der Holocaustopfer. Und die nicht müde werden, zu erwähnen, dass man nicht von Leid reden soll, wenn man nicht Opfer des Holocaust wurde. Und wer will den Personen der zweiten Gruppe schon widersprechen. Man senkt den Kopf und wird demütig. Aber Vanessa F. Fogel setzt hier an. Ein nachdenklicher, weiser Roman einer noch so jungen Frau.

    Die Paul Cleave Reihe (auch das etwas überzogene „Stunde des Todes“) — Paul Cleave ist für mich, was für andere die Tatortreihe ist, sagte man mal zu mir. Aber so ist es nicht. Paul Cleave hat eine Art zu schreiben, die mich mitreißt, die mich fesselt und die mich in eine Welt eintauchen lässt, in der ich meine eigenen, lebhaften Erinnerungen an Christchurch (der Ort, an dem Cleaves Romane spielen) habe. Kleine Dinge, die er beiläufig in seinen Romanen verstreut, die nicht relevant für die Handlung an sich sind, wenn man nur eines seiner Bücher gelesen hat. Die aber den treuen Leser einen Geistesblitz verschaffen, ihn nachdenklich, traurig oder freudig erstrahlen lassen. So beschreibt er in eines seiner späteren Bücher, (man muss wissen, dass die Reihenfolge der erschienenen Bücher nicht die Chronologie der Ereignisse wieder geben!!) die Hauptperson, die auf der Veranda seines Hauses sitzt. Auf seinem Schoß sein treuer Kater. Ein so liebevoller Kater.. Ein Stich ging mir (selbst ein Katzenfan!) durchs Herz, denn ich weiß: Dir, armer Kater, passiert etwas, was man nur als verstörend bezeichnen kann.. Aber du weißt es noch nicht..
    Seine Bücher bauen einen Mikrokosmos auf, der einen immer wieder Dinge begegnen lässt, die für Handlungen unerheblich sind. So wie ein Nachbar, den man in seinem Leben nur gelegentlich über den Zaun hinweg grüßt. Usw. Man könnte boshafter weise sagen, damit bindet Cleave seine Leser an sich. Aber wer würde das schon über Stephen King behaupten, der auch immer wieder Hinweise auf andere Personen außerhalb des Romans gibt. Wenn mir der Nachbar nicht gefällt, blende ich ihn halt aus meinem Leben aus, oder ziehe um. Aber in Cleaves fiktiver Welt fühle ich mich zuhause! Hier bleibe ich!

    So, fertig! 😀

    • Lieber Christian, wow, vielen Dank für diese ausführliche und persönliche Favoritenliste! Für mich selbst nehme ich da auf jeden Fall als Leseempfehlung Monika Bittl „Die Expedition“ und Tad WIlliams „Traumjäger und Goldpfote“ mit. Ich bin selbst auch großer Stephen King-Fan (wie man in Kürze zu meiner bald folgenden „Joyland“-Rezi merken wird). Nur mit Paul Cleave kann ich leider nichts anfangen: Das ist mir irgendwie zu plakativ und reißerisch – oder wie du es in deinem anderen Kommentar bezeichnet hast „zu Hollywood“ 🙂 Ich mag da eher die leiseren Töne 😉 Lg, Karo

  4. Hallo Karo,
    ich habe deinen Blog erst jetzt (nach 1 Jahr!) entdeckt und möchte bei den All-time favorites gern mitmachen:

    Thomas Mann – Buddenbrooks
    John Steinbeck – Früchte des Zorns
    Elie Wiesel – Nacht
    Herman Melville – Moby Dick
    John Updike – Rabbit in Ruhe
    Gabriel Garcia Marquez – Hundert Jahre Einsamkeit
    Viktor Klemperer – Tagebücher 1933-1945: Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten
    Claude Lanzmann – Der patagonische Hase
    Max Frisch – Montauk
    Philip Roth – Mein Leben als Sohn

    Grüße aus Hamburg, Oliver

    • Hallo Oli, willkommen, willkommen! Mach’s dir gemütlich 😀
      Das ist ja eine bunt gemischte Truppe an Lieblingsbüchern, die du da präsentierst: Vom modernen Klassiker und Weltliteratur bis zur kleinen Leseperlen und über die Kontinente hinweg. Dass auch Tagebücher dabei sind, hat mich neugierig werden lassen. Ich habe Viktor Klemperer erstmal gegoogelt und wurde belehrt, dass seine Aufzeichnungen aus der NS-Zeit weltberühmt sind. Schon wieder was gelernt. Lg, Karo

      • Hallo Karo,
        etwas besseres über den täglich sich verschärfenden Wahnsinn der NS-Zeit als die Klemperer-Tagebücher wirst du kaum finden können. Mich haben die Aufzeichnungen bis in meine Träume verfolgt.
        Und: Vielen Dank! Ja, ich werde hier jetzt öfter sein und es mir gemütlich machen!
        LG, Oli

  5. Habe heute deinen Blog entdeckt und bin wie immer glücklich, wenn ich Leute finde, die über anspruchsvolle Literatur schreiben. Solche Exemplare sind ja nicht unbedingt in der Überzahl.
    Ich liebe Listen wie deine und kann mich nicht zurückhalten, auch meine Alltime-Faves zu nennen:

    John Crowley – Little Big
    Wenn man es mag, liebt man dieses Buch ein Leben lang.

    A. S. Byatt – Besessen
    Für mich der schönste Roman über Literaturwissenschaft

    Sarah Waters – Solange du lügst
    Historischer, extrem spannender Roman, um dessen lesbische Protagonistinnen man bangt als seien es lebende Menschen.

    Patricia Highsmith – Salz und sein Preis
    Lesbische Liebesgeschichte, die nicht in Verzweiflung und Selbstmord endet

    Rosamond Lehmann – Dunkle Antwort
    Kein Buch hat schönere Nackt-bei-Vollmond-im Fluss-schwimmen-Szenen als dieses.

    Henri Alain-Fournier – Der große Meaulness
    Ein Roman wie ein trauriger Traum.

    Dorothy Strachey, Olivia
    Wunderschön geschriebener Roman um die tragische lesbische Liebe. Meine Rezension ist hier: http://dandelionliteratur.wordpress.com/2013/12/03/dorothy-strachey-olivia-1933/

    Arthur Machen – Der Berg der Träume
    Roman um einen angehenden Schriftsteller, der sich lieber in seinen Traumwelten aufhält als in der Realität. Enthält mit die schönsten Landschaftsbeschreibungen, die ich je gelesen habe. Meine Rezension ist hier: http://dandelionliteratur.wordpress.com/category/arthur-machen/

    Sarah Orne Jewett – Das Land der spitzen Tannen
    Episodenroman um eine amerikanische Küsteregion und ihre Bewohner. Eine stresslose Welt, von der man heute nur noch träumen kann.

    J. Sheridan Le Fanu – Carmilla
    Immer noch eine der besten und stimmungsvollsten Vampirgeschichten.

    • Hallo Frank, vielen Dank für die lobenden Worte und das Teilen deiner Liste! Ich muss gestehen, dass ich kein einziges der von dir genannten Werke kenne – zum Glück hast du sie ja ein bisschen angeteasert, sodass man einen klitzekleinen Vorgeschmack kriegt 🙂 Liebe Grüße, Karo

      • Hallo Karo,
        ich wohne im 1Live-Einzugsgebiet und habe auch schon mehrmals Buchbesprechungen einer Frau gehört, ich weiß aber nicht, ob du das warst (zuletzt, glaube ich, „Ein plötzlicher Todesfall“ von J. K. Rowling). Da kannte ich deinen Blog noch nicht.
        Tja, meine Buchliste. Ich liebe es halt (auch in meinem Blog „dandelion“), zu Unrecht vergessene Bücher zu entstauben. Da findet man wirklich große Sachen. Eine davon ist „Little Big“ von John Crowley. Wenn es wirklich noch ein Buch zu entdecken gibt, dann ist es dieses. In den USA ist es seit zig Jahren ein absolutes Kultbuch und selbst der US-Literaturpapst Harold Bloom hält es für den besten unbekannten Roman schlechthin und hat es Seite an Seite mit Hemingway, Fitzgerald etc. gestellt. Leider kennt es nur kein Schwein. In Deutschland hat es auch nie gefunkt. Zuletzt ist es bei Fischer als Fantasy-Taschenbuch erschienen. Traurig!
        Liebe Grüße
        Frank

  6. Hallo Karo 🙂
    Dank deinem Blog ist aus mir nun mittlerweile eine begeisterte Blog-Leserin geworden und ich freue mich immer auf neue Einträge, denn ich liebe deine Art zu schreiben.
    Damit mein Kommentar auch zum Thema passt, hier meine All-time Favorites:
    1) Emily Brontë: Sturmhöhe: bin der Geschichte absolut verfallen 🙂
    2) Victor Hugo – Der Glöckner von Notre-Dame
    3) Leo Tolstoi – Anna Karenina
    4) Monika Feth – Der Erdbeerpflücker
    5) Kathryn Stockett – The Help
    Das sind bisher so ziemlich meine liebsten Lieblinge. Der Grund, warum ich jedoch eigentlich einen Kommentar schreiben wollte, ist der, dass ich seit längerer Zeit überlege, Komparatistik zu studieren. Gerade bei geisteswissenschaftlichen Studienfächern bekommt man ja immer wieder zu hören, das sei “brotlose Kunst”, aber ich liebe nun mal alles, was mit Literatur und Sprachen zu tun hat. Nun meine Frage: Würdest du mir empfehlen, Komparatistik zu studieren oder eher davon abraten?
    Vielen Dank schonmal und liebe Grüße,
    Caro

    • Liebe Namensvetterin, wow, deine Worte ehren mich sehr! Was für eine schöne Top Five du da hast. Da steckt ja schon viel Leidenschaft für die Komparatistik hinter 😉
      Ich habe mich damals für das Fach entschieden, weil ich etwas machen wollte, dass meinen Stärken entspricht und ich dadurch zügig vorankomme. Niemand tut sich einen Gefallen damit, sich durch ein Studium zu quälen, das man dann möglicherweise abbricht oder mit grottigen Noten abschließt. Die Unizeit sollte so was wie die beste Zeit deines Lebens werden 🙂
      Das Allerwichtigste meiner Meinung nach ist, dass du bereits während des Studiums berufliche Kontakte knüpfst. Ich habe jedes Jahr in den Semesterferien Praktika gemacht, beim Radio, bei Verlagen usw. Dann hast du gute Chancen, einen Einstieg ins Arbeitsleben zu finden. Reich wirst du in dem Metier allerdings wirklich nicht. Dennoch habe ich meine Entscheidung nie bereut, weil ich glücklich bin. Ob es dir genauso ergeht, kann ich natürlich nicht sagen, aber ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen. Alles Liebe und Gute für deine Zukunft, Karo

  7. Hallo Karo,
    erst einmal danke für deinen blog. generell und im speziellen, weil ich dadurch auf „stadt der diebe“ aufmerksam gemacht wurde. ich liebe dieses buch!

    also hier bücher, welche bei mir einen nerv getroffen haben:

    michael cunningham: „die stunden“ und auch „ein zuhause am ende der welt“
    das erste ist wohl bekannt durch den film und das zweite evtl. auch, wobei beim zweiten der zauber des buches im film, meiner meinung nach, nicht richtig rüberkommt.. es geht um eine dreiecksbeziehung zwischen zwei männern und einer frau, wobei jeder in jeden verliebt ist… ein wunderbares buch finde ich

    jane smiley „tausend morgen“: ein farmer im mittelwesten übergibt seinen hof an zwei seiner drei töchter und deren männer. kaum sind die machtverhältnisse verschoben gehen die probleme auch schon los… an king lear angelehnt.

    bara vine „heuschrecken“ eine junge frau flüchtet nach london zu verwandten, nachdem sie an dem tödlichen unfall ihres freundes beteiligt war. sie kommt mit einer clique in kontakt, die auf den dächern londons herumklettert und sie werden dadurch in die entführung eines kleinen jungen verwickelt …..

    bernhard schlink: „der vorleser“ dazu muss ich wohl nichts sagen….

    armistead maupin „stadtgeschichten“ (alle bände) diese bücher kann man getrost als kult bezeichnen. mary ann singleton und michael tolliver sind die wichtigsten personen dieser geschichten. sie leben im apartmenthaus von anna madrigal in san francisco… was sie und ihre freunde durch die jahrzehnte erleben fesselt von anfang bis ende… jeweils mit viel zeitkolorit eingefangen

    kazuo ishiguro „was vom tage übrigblieb“ und „alles was wir geben mussten“
    ersteres handelt vom leben eines butlers um die zeit des zweiten weltkrieges auf einem englischen landsitz, und eine ihn betreffende unerfüllte liebe.
    zweites von kindern eines schulheims in england die als organspender gezüchtet wurden. was und vor allem wie sie dieses leben erleben und wahrnehmen hat starke sogwirkung finde ich….

    helene hanff „84, charing cross road“ spleenige new yorkerin auf der suche nach vergriffenen büchern nimmt in der zeit nach dem zweiten weltkrieg kontakt mit einer buchhandlung in london auf… es entspinnt sich ein jahrzehntelanger briefwechsel mit
    ihrem seelenverwandten buchhändler

    magda szabo „hinter der tür“ bekannte ungarische schriftstellerin und die enge beziehung zu ihrer eigenwilligen putzfrau, bis diese schwer erkrankt und ihre herrin einen folgenschweren fehler begeht….

    marion zimmer bradley (bitte keine vorurteile) „trapez“
    zwei schwule männer und trapezkünstler im zirkusmilieu der 40iger jahre…. hat rein gar nichts mit ihren sonstigen fantasy romanen gemein. „wasser für die elefanten“ kann hier einpacken … obwohl ich diesen roman auch gern mag 🙂

    marlen haushofer „die wand“ nun wohl durch den kinofilm bekannt …. eine frau fährt mit verwandten in die berge, welche nach einem ausflug nicht zurückkehren… auf der suche nach ihnen trifft die protagonistin am nächsten tag plötzlich auf eine undurchdringliche wand. sie muss sich, für ungewisse zeit, in der almhütte aufs überleben einrichten. ein spezielles stück literatur

    liebe grüße und in vorfreude auf neue beiträge
    marcus

    • Hallo Marcus, danke, dass du da bist und dir die Mühe gemacht hast, deine Favorits hier zu teilen! Ich lese eine gewisse Vorliebe für historische Stoffe und kammerspielartige Naturschauspiele aus deiner Liste – die ich absolut teile! Am neugierigsten machen mich die „Stadtgeschichten“ von Maupin – ein Kultbuch, von dem ich offen gesagt noch nie gehört habe, das kann ja wohl nicht angehen 😉 Und ich würde NIE etwas gegen Marion Zimmer Bradley sagen! Fantasyautoren haben zu unrecht einen schlechten Ruf – da steckt oft mehr Recherche, Imaginationskraft und Handwerk drin, als bei so manchem „seriös“ gehandelten Schriftsteller! Liebe Grüße, Karo

      • Hi Karo…. da hast du recht! kammerspielartige naturschauspiele… gefällt mir 🙂 ich lese auch, tonnenweise, biographien. hauptsächlich von schauspielerinnen 🙂 die stadtgeschichten sind wirklich gut… na, auf jeden fall mein geschmack!
        ich denke auch, eine eigene welt zu erfinden, wie fantasyschriftsteller es tun, ist ein schweres stück arbeit. das ganze ist oft noch sehr breit gefächert und hierbei alles halbwegs im auge zu behalten ist sicher nicht so einfach…
        man sollte das alles nicht so „werten“ man mag, was man mag und es ist doch gut das es so viel verschiedenes gibt.. dann ist für jeden was dabei… ich habe z.B. alle „biss“ bücher gelesen, die sicher nicht so mein fall sind, weil ich das phänomen verstehen wollte und sie dann meiner nichte geschenkt 🙂
        shades of grey schenke ich mir, ich denke das wird mich nicht überraschen. gewisse sachen wiederholen sich halt auch mit der nächsten generation. Ich fand damals „salz auf unserer haut“ gut oder „der liebhaber“ von m. duras ist doch auch ok. und nun halt die shades oder anderes….
        Ganz Liebe Grüße
        Marcus

  8. Hallo Karo,

    jetzt bin ich also auch auf Deinem Blog gelandet, hab gestöbert, mich umgeschaut und finde ihn großartig! Ganz ganz großes Kompliment!! 🙂

    Da ich selber gerade in den bescheidenen Anfängen meines eigenen Blogs stecke, hab ich mich aktuell auch mit den Büchern beschäftigt, die mir in meinem Leben mehr bedeutet haben als „bloß“ gute Unterhaltung… Und die liebsten davon möchte ich Dir natürlich auch nicht vorenthalten. Los gehts!

    Auster, Paul: Mond über Manhattan

    Die Notwendigkeit, seinem Leben eine Richtung zu geben, weitet sich für einen Studenten zur zwanghaften Sinnsuche und Existenzkrise aus. Ein im besten Sinne intimes Buch über Leiden, das stetige Vorhandensein von Chancen und Neubeginne in einer surrealen Version der USA in den 1960er Jahren.

    Doctorow, E. L.: Der Marsch

    Kurz vor dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs führt General Sherman einen Vernichtungsfeldzug durch den Süden, um den letzten Widerstand zu brechen. Historisch präzise, aber zugleich voller Empathie für den Einzelnen schreibt Doctorow über die grausame Notwendigkeit eines Krieges, der einen grundsätzlichen Pazifismus in Frage stellt.

    Eco, Umberto: Der Name der Rose

    Weit mehr als ein vordergründig erscheinender Kriminalroman ist “Der Name der Rose” eine verdichtete Darstellung des Spätmittelalters an sich. Politik, Religion, Philosophie, Kunst – es gibt kaum ein Gebiet, das Eco nicht in seiner gelehrten, aber niemals belehrenden Art einwebt und zum Bestandteil der Handlung erhebt.

    Euginides, Jeffrey: Middlesex

    “Middlesex” ist eine groß angelegte Geschichte über eine Einwandererfamilie, wie sie fast nur Amerikaner schreiben können. Eine solche Saga des ansässig Werdens mit der Frage nach der Anerziehbarkeit von Geschlechterrollen und dem Mut zum eigenen Körper zu verknüpfen, bedarf einer weitergehenden Meisterschaft, die Euginides ohne Zweifel besitzt.

    Hesse, Hermann: Siddhartha

    Ein Bildungsroman, der vor allem den Leser bildet. Hesse erzählt nicht einfach die Buddha-Werdung Siddhartha Gautamas nach, sondern lässt den Mythos erneut entstehen. Anstatt Weisheiten zu überliefern, schafft er es mit literarischen Mitteln, dass diese als eigene Erkenntnisse beim Lesen reifen und sich festsetzen.

    Grass, Günter: Die Blechtrommel

    Deutschland vom Zweiten Weltkrieg bis zum beginnenden Wirtschaftswunder. Grass’ “Blechtrommel” gehört zu den Fundamenten der deutschen Literatur und seziert die Anfangsjahre der Bundesrepublik. Und das mit Hilfe der groteskesten und bedeutendsten Kunstfigur der Literatur im 20. Jahrhundert.

    Guenassia, Jean-Michel: Der Club der unverbesserlichen Optimisten

    Die erzählte Geschichte einer beginnenden Jugend wird rasch mehr als das. Guenassia bindet seinen Protagonisten in das Paris der 1960er Jahre ein – Musik, Philosophie und die Algerienpolitik der Franzosen durchdringt alles und weitet das Buch auf ein gesellschaftliches Zustandsgemälde jener Epoche und jenem Land aus.

    Littell, Jonathan: Die Wohlgesinnten

    Ungeheuerlich in seiner Sprache und seinen beschworenen Bildern, brutal in seiner fehlenden Distanz und berauschend in seiner Kopplung von Tatsachen und Fiktion, sind “Die Wohlgesinnten” eines der eindrucksvollsten Bücher über den deutschen Russlandfeldzug und den Holocaust.

    Mann, Thomas: Der Zauberberg

    Vor der weltentrückten Kulisse eines Schweizer Sanatoriums entfalten sich die letzten Züge des bürgerlichen Zeitalters. Ursprünglich als Besucher angereist, bleibt Hans Castorp sieben lange Jahre als Patient und wird dabei in der allgemeinen hypochondrischen und krankheitsversessenen Gesellschaft zunehmend lebensunfähiger.

    Ganz liebe Grüße!
    Stefan

    • Hey Stefan, sorry, dass es etwas gedauert hat mit der Antwort, aber ich wollte mir deine Liste ganz in Ruhe durchlesen 🙂
      Ein paar davon habe ich während meines Literaturstudiums kennen- und liebengelernt wie „Mond über Manhatten“ oder „Die Blechtrommel“.

      „Der Name der Rose“ war mir persönlich zu ausschweifend und theorielastig – auch wenn ich mich vor dem großen Wissensschatz von Umberto Eco zutiefst verbeuge. Grundsätzlich mag ich genau wie du Romane, die einen großen Ausschnitt der Wirklichkeit abbilden, Politik, Geschichte und Gesellschaft miteinander verknüpfen.

      „Middlesex“ habe ich beim ersten Mal abgebrochen. Es hat mich selbst geärgert, dass ich nicht in den Roman reingefunden habe, weil ich das Transgender-Thema extrem wichtig finde und für eines der letzten großen Tabus unserer ach so aufgeklärten Welt halte.

      Guenassias „Der Club der unverbesserlichen Optimisten“ ist das einzige Buch aus deiner Favoritenliste, das ich gar nicht kenne. Aber allein der Titel macht mich neugierig und das Setting klingt auch spannend.

      Ich danke dir sehr für deine Meinung und Anregungen! Auf deinem Blog habe ich auch schon einige Romane entdeckt, die ich auch gern gelesen habe. Wir scheinen da einen ähnlichen Lesegeschmack zu haben 🙂 Leider funktionieren die Social Media-Buttons auf deiner Seite nicht, um dir zu folgen….ich freu mich aber schon auf weitere Besprechungen von dir! Herzlich, Karo

      • Hallo Karo,

        lieben Dank für Deine nette Antwort! Ich werde garantiert öfter schauen, was Du so empfiehlst. Wir scheinen tatsächlich den gleichen Geschmack zu haben, was ja nicht immer so ganz selbstverständlich ist 😉

        Ich freu mich sehr, dass Dich meine bisherigen Rezensionen neugierig gemacht haben! Hab natürlich noch sehr viel Arbeit vor mir, wie z.B. funktionsfähige Buttons! Aber jetzt bin ich erst noch im Urlaub und werde danach frisch ausgeruht ans Werk gehen!!!

        Vielleicht darf ich Dich bei der einen oder anderen Sache einmal um Rat fragen????

        Liebe Grüße
        Stefan

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s